Leidet die Bevölkerung in den europäischen Ländern, in denen US-Atombomben lagern und auf deren Territorium sich US-Militärbasen befinden, an kollektiver Depression, weil sie die zunehmende Gefahr die von ihnen ausgeht, nicht zu interessieren scheint?

 

Wer sich mit Depressionen beschäftigt oder selbst darunter leidet, der wird dieses Gefühl kennen. Man steht auf Bahngleisen, in weiter Ferne sieht man einen Zug nahen. Die Reaktion darauf ist gleich null, zu verzeichnen ist höchstens ein Schulter zucken. Man weiß, dass wenn man die Gleise nicht verlässt, es den sicheren Tod bedeutet, dennoch bleibt man in völliger Gleichgültigkeit eingehüllt stehen und nimmt das dann Unvermeidbare in Kauf.

So sehe ich momentan Europa. In allen Ländern der EU, die gleichzeitig auch der NATO angehören, wird aufgerüstet. Die USA beordern immer mehr Kriegsmaterial auf unseren Kontinent und es werden wieder, wie zu Zeiten des „alten“ Kalten Krieges Manöver abgehalten, nicht wenige, in unmittelbarer Nähe zu Russlands Westgrenze. Die Rhetorik insgesamt hat sich immer weiter verschärft und man braucht kein Historiker zu sein, um Parallelen zur Zeit vor dem 1. und dem 2. Weltkrieg zu entdecken.

Ein großer Unterschied

Fliegerhorst Büchel CC BY-SA 3.0

Es gibt allerdings einen eklatanten Unterschied zu den beiden großen Kriegen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Es gibt nun laut SIPRI, Welt weit 14 935 Atomsprengköpfe. Davon entfallen 7.000 auf Russland, 6800 auf die USA, 300 auf Frankreich und 215 auf Großbritannien. Rechnet man letztgenannte Länder nicht ein, lagern auf mitteleuropäischem Boden zwischen 110 und 150 Atombomben. 10 bis 20 von ihnen Lagern in Belgien, auf der Luftwaffen Basis Kleine Brogel in Belgien, weitere 10 bis 20 auf der Basis Volkel in den Niederlanden und ca. 20 auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz.

Das sind 40 bis 60 Atombomben die relativ nah beieinander liegen. Diese drei Basen bilden ein teuflisches Dreieck, das sich auf engstem Raum über drei Länder erstreckt. Es ist nicht notwendig Angehöriger des Militärs zu sein, um zu wissen, dass diese drei Orte potenzielle Ziele im Falle eines Krieges zwischen den NATO-Staaten und Russland wären.
Jeder der will, hat Zugriff auf diese Daten, sie entstammen nicht einem Portal von Verschwörungstheoretikern. Sie sind ganz normal über Wikipedia abzurufen.

Kernkraftwerk Fukushima nach der Exlosion CC BY-SA

Durch die Atombombenabwürfe am Ende des zweiten Weltkrieges in Hiroshima und Nagasaki, die Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima, dürfte jeder wissen, was nukleare Explosionen und radioaktive Strahlung anrichten können. Potenziell sind wir alle dieser Gefahr ausgesetzt. Neu ist das nicht, das ist schon seit Jahren so. Die Weltlage hat sich aber meines Erachtens, seit der Ankündigung der USA, ein Raketenschild in Europa aufbauen zu wollen immer weiter verschärft und nun stehen sich USA und Russland, in Syrien gegenüber. Eine Situation, die der in der Kuba-Krise an Gefährlichkeit in nichts nachsteht.

Angesichts dieser äußerst bedrohlichen Lage müsste man meinen, dass den Menschen der Atem stockt und sie auf die Straße gehen, um von der Politik zu fordern, doch endlich für den Frieden einzutreten und zwischen den beiden großen Kontrahenten zu vermitteln … doch es geschieht nichts. Und wenn sich doch eine ansehnliche Anzahl an Menschen zusammenfindet, um gegen ausländische, militärische Einrichtungen wie beispielsweise die Airbase Ramstein, zu protestieren, werden sie von den Mainstream Medien ignoriert oder klein geredet.

Dennoch gibt e viele unermüdliche Geister, die sich mit viel Engagement und Herzblut, für eine Schließung gerade dieser Airbase einsetzen. Sie ist die Relais Station, die den Drohnen Krieg des US-Militärs erst ermöglicht. Bekannte Persönlichkeiten wie der Theologe Eugen Drewemann, Oskar Lafontaine, Willy Wimmer und viele andere hören nicht auf, die Bundesregierung aufzufordern Ramstein zu schließen. Auch das Team von http://whttp://www.luftpost-kl.de ist mit vollem Einsatz dabei und versorgt die interessierten Menschen ständig mit Informationen friedenspolitischer Natur. Leider reicht das nicht. Es sind bei weitem nicht genug Menschen, die sich bemerkbar machen, denn leider herrscht ansonsten  das große Schweigen im Walde.

Dann kommt wieder das Bild auf, das mit den Gleisen und dem herannahenden Zug. Es ist so, als ob sich ein klebriger Mantel der völligen Gleichgültigkeit über den größten Teil der Bevölkerung ausgebreitet hätte. Um es mit krasseren Worten auszudrücken: Es hat den Anschein, als ob es den 0igarchisches System angenommen zu haben. Da die Russische Föderation ebenso wie die USA skrupellos ihre Interessen wahrnimmt, kommt es zu einem Konflikt, in dem das alte Feindbild, welches hier im Westen aufgebaut wurde, von großem Nutzen ist. Im Zusammenspiel von Politik und Medien wird einsuggeriert, dass man sich gegen die im Osten lauernde Gefahr schützen müsse.

  • In der Politik und in den Medien wird die Tatsache, dass es in Deutschland mehrere potenzielle Ziele für russische Atomraketen gibt, so gut wie gar nicht erwähnt. Selbst als die CDU einen Punkt des Koalitionsvertrages mit der FDP, noch unter Guido Westerwelle, nicht erfüllte, nämlich für den Abzug US-amerikanischer Bomben von deutschem Boden zu sorgen, wurde dies nicht an die große Glocke gehängt. Lediglich vom kümmerlichen Rest des linken politischen Spektrums werden die Atombomben auf deutschem Boden thematisiert.
  • Die Bevölkerung übt sich in Disziplinen, die sie meisterlich beherrscht. Die Verdrängung, das Ignorieren und das zur Seite Schauen. Man wiegt sich in der wohligen Sicherheit, dass “ werden was sie tun, dass es bisher ja gut gegangen ist und dem trügerischen Argument, dass die Eliten doch wohl nicht so verrückt sein werden, alles was sie sich aufgebaut haben, in Schutt und Asche legen zu lassen. Eine Garantie für diese drei Argumente gibt es allerdings in keiner Weise.

Ich bin 1959 geboren und der erste Politiker, den ich bewusst wahrgenommen habe, war Willy Brandt. Bei ihm und so manchem, der ihn umgab, habe ich stets das Gefühl gehabt, dass sie unentwegt dafür gearbeitet haben, dass Deutschland eine wichtige Rolle bei der Erhaltung des Friedens in Europa und der Welt spielen sollte. Selbst zu Zeiten von Helmut Kohl, war ich davon überzeugt, dass er, auf seine Weise, dafür gearbeitet hat, diesen hart erarbeiteten Frieden zu erhalten. Das konnte diese Generation von Politikern den Menschen hier in Deutschland und auch außerhalb seiner Grenzen sehr gut vermitteln, weil sie entweder den letzten Weltenbrand selbst miterlebt hatten, oder dessen unmittelbare Folgen.

„Nie wieder Krieg!“ war gestern.

Gerhard Schröder CC BY-SA

Mit dem Spruch: „Nie wieder Krieg!“, war eine rote Linie gezogen worden. Die Hemmschwelle, diese Linie zu übertreten, verschwand allerdings in dem Moment, als deutsche Soldaten, sich an einem Völkerrechts widrigen Krieg im Kosovo beteiligten. Die rote Linie verblasste völlig, als die deutsche Regierung aus meines Erachtens, falscher Bündnistreue heraus, Soldaten nach Afghanistan entsandte.

Als nahezu zeitgleich herauskam, dass die Akzeptanz an diesem Krieg teilzunehmen, innerhalb der Bevölkerung höchst wahrscheinlich mit Hilfe von Manipulationen seitens der Politik und der Medien erzeugt worden war, erlosch in mir jegliches Vertrauen in Politik und Mainstream Medien. Die Anbiederung der SPD unter Gerhard Schröder an das Kapital und die gleichzeitig stattfindende Spaltung der Gesellschaft durch die Einführung von Hartz IV, verstärkte das entstandene Misstrauen.

Angela Merkel CC BY 2.0

Mit Angela Merkel als Kanzlerin ist es nicht besser geworden. Schon vor ihrer Amtszeit sprach sie bei einem Besuch in Washington, dem amerikanischen Präsidenten ihre volle Solidarität aus und setzte sich in Deutschland vehement für eine Teilnahme Deutschlands an dem Irak Krieg ein. Dem Völkerrecht Respekt zollen, sieht anders aus. Dass Gerhard Schröder, sich gegen eine Teilnahme damals aussprach, ist wahrscheinlich nur aus Wahl taktischen Gründen geschehen.

Vorbei ist es seitdem mit einer selbstbewussten, auf den Frieden ausgerichteten Außenpolitik Deutschlands. Statt wie im Vietnam Krieg Lazarettschiffe zu entsenden, wird im blinden Eifer der Bündnistreue, logistische Hilfestellung bei vielen Völkerrechts widrigen Einsätzen geleistet, es werden wenn gewünscht, Kampfeinheiten entsendet und wenn nicht, werden Regime Changes und militärische Einsätze der Bündnispartner solidarisch befürwortet. Waffenlieferungen in Krisengebiete sind in den letzten Jahren, scheinbar zur Routine geworden.

Geopolitisch wird strikt auf der gleichen Schiene gefahren wie die USA, man konnte in Berlin nicht schnell genug die Zusage an einer Teilnahme im Krieg in Syrien erteilen. Das wohl wissend, dass Syrien die Russische Föderation als Bündnispartner hat und dass es im Bereich des Möglichen liegen könnte, dass es zu einer Konfrontation zwischen den USA und Russland kommen könnte. Im schlimmsten Szenario würde dann der Bündnisfall innerhalb der NATO eintreten. Dieser Konflikt würde dann mit größter Wahrscheinlichkeit nicht nur nach Deutschland getragen werden, die Nachbarländer wären auch davon betroffen.

Ausländische Militärbasen in Deutschland CC BY-SA 3.0

Womit wir wieder im ersten Teil des Beitrags angelangt wären. Es gibt nicht nur die beiden beschriebenen Ziele in Deutschland. Auf der nebenstehenden Karte, sind ausländische Militärbasen verzeichnet, deren Koordinaten mit Sicherheit in russische Raketen einprogrammiert sind. Das sind Fakten, nicht irgendwelche Spinnereien, die einem Portal von Verschwörungstheoretikern entsprungen sind. Jeder der will, hat Zugriff darauf (Von besonderem Interesse, ist unter  .Punkt 8. die regionale Auflistung) Allzu viele Menschen sind es wohl nicht, die von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben. Weder die Politik noch die Mainstream Medien, werden die Menschen dazu ermuntern, sich all diese Daten anzuschauen, denn dann bestünde die Gefahr, dass sich immer mehr Menschen dessen bewusst würden, welcher Gefahr sie, ihre Familien und ihre Freunde ausgesetzt sind.

Die Interessen der Bevölkerung in Deutschland zu vertreten und auch Verantwortung für unsere Nachbarländer zu übernehmen, ist Lichtjahre von dem entfernt, was die aktuelle Bundesregierung tut. Wäre in den Köpfen der Menschen präsent, dass seit Gerhard Schröder und erst recht seit Angela Merkel, nicht mehr die Interessen Deutschlands im Mittelpunkt des größten Teils der Politik steht, sondern die der Finanzmärkte, der großen Konzerne und der Oligarchen und zu guter Letzt der USA, wer weiß, vielleicht würde das große Schweigen der Mehrheit gebrochen werden. Das ist auch bitter nötig, will man sich von dem konventionellem, vor allem aber von dem nuklearen Damokles Schwert befreien, das seit Jahrzehnten ständig über uns allen schwebt.

 

 

Fotos:

Beitragsbild: Von United States Department of Energy – This image is available from the National Nuclear Security Administration Nevada Site Office Photo Library under number XX-33.This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=443729

Lokomotive: Gemeinfrei

Fliegerhorst Büchel: Von Stahlkocher – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1698395

Fukushima: Von Digital Globe – Earthquake and Tsunami damage-Dai Ichi Power Plant, Japan, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14983011

Gerhard Schröder:  Von Olaf Kosinsky – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45734243

Angela Merkel: Von EU2017EE Estonian Presidency – Diese Datei ist ein Ausschnitt aus einer anderen Datei: Tallinn Digital Summit. Welcome dinner hosted by HE Donald Tusk. Handshake (36669383664).jpg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63047045

Karte: Von 36ophiuchi – Eigenes Werk mittels: File:US military bases in Germany.svg by Rama, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34853336