„Es ist bei der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt nicht einzusehen, dass Menschen, die 25 oder auch 45 Jahre alt sind, zu Hause sitzen und Hartz IV beanspruchen können. Das ist gewissermaßen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Unser Grundgedanke ist, dass die Menschen sich um Arbeit bemühen müssen. Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Arbeit annehmen kann, wird natürlich finanziell abgesichert“

 

Immer öfter hört man von der Industrialisierung 4.0 und der immer schneller werdenden Digitalisierung. Daraus werden Probleme erwachsen, auf die die Politik noch keine Antworten hat. Entweder, weil sie sich noch nicht damit befasst hat oder weil sie diese Probleme nicht ernst nimmt.

Richard David Precht, Philosoph und Publizist

Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht geht in seinem neuen Buch, Jäger, Hirten, Kritiker: Eine Utopie für die digitale Gesellschaft, das vor einigen Tagen erschienen ist, auf dieses Thema ein. Schon vorher hat er sich dazu in zahlreichen Interviews und Gesprächsrunden dazu geäußert. Es klingt plausibel, wenn er sagt, dass durch die zunehmende und schneller werdende Digitalisierung, immer mehr Arbeitsplätze wegfallen, ja ganze Berufszweige verschwinden werden. Das wird sich besonders im Dienstleistungsbereich bemerkbar machen. Das Banken und Versicherungswesen, Verwaltungen, das Transportwesen und andere Arbeitsbereiche, an die wir momentan noch gar nicht denken, werden davon betroffen sein.

Das wird zur Folge haben, dass in den kommenden Jahren, Millionen von Menschen ohne Arbeit sein werden. Angesichts dieses Problems, üben sich schon eine Vielzahl von Politikern in der Vogelstrauß Technik, so tief es nur eben geht. SPD und Linke haben vor der Bundestagswahl noch kalten Kaffee serviert, als versprochen wurde neue Arbeitsplätze zu schaffen. Immerhin wurde das Thema noch  mit einem Wattebäuschchen angestupst, in dem man seitens der SPD verlauten ließ, dass man bei einem Arbeitsplatzverlust, mit einem längeren ALG I wahrscheinlich rechnen könne. Die Begriffe Industrialisierung 4.0 und Digitalisierung wurden und werden, zumindest in der Öffentlichkeit nicht behandelt. Intern werden diese Themen nur zögerlich behandelt.

Christian Gräff, Vorsitzender des MIT

Den Vogel schießen allerdings einige Mitglieder der CDU aus Berlin ab. in einem Artikel des Online FOCUS, plädieren sie für die komplette Abschaffung von Hartz IV für Menschen unter 50. Der Zynismus von Christian Gräff, er ist Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Berliner Union (MIT), ist in einem Zitat aus dem Interview, dass er der Berliner Morgenpost gab, kaum zu überbieten: „Es ist bei der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt nicht einzusehen, dass Menschen, die 25 oder auch 45 Jahre alt sind, zu Hause sitzen und Hartz IV beanspruchen können. Das ist gewissermaßen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Unser Grundgedanke ist, dass die Menschen sich um Arbeit bemühen müssen. Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Arbeit annehmen kann, wird natürlich finanziell abgesichert“

Luft holen, sacken lassen und weiter schreiben. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder ist dieser Mensch aus dem parallel Universum 37.395, oder war es 96? Na egal, in unseres verschlagen worden und kennt die Regelungen für ALG II und die damit verbundenen Sanktionen, also doch Bedingungen, nicht, oder ihm ist jeglicher Sinn für Menschlichkeit, Würde und Anstand, im Laufe der Zeit abhandengekommen. Menschen werden ja bekanntlich nicht schlecht oder böse geboren.

Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Idee keine Bahn bis in die oberen Etagen der CDU bricht. Sollte sie tatsächlich umgesetzt werden, würde das für jede Menge sozialen Sprengstoffs sorgen. Es taucht die Frage dann auf, was wollte Herr Gräff mit den Menschen machen, wenn es in absehbarer Zukunft, aus den oben genannten Gründen, immer mehr Arbeitsplätze ersatzlos wegfallen und immer mehr Menschen ohne Arbeit da stehen? Was wenn sich das autonome Fahren durchsetzt und Taxifahrer und Busfahrer ersetzt? Was wenn bei der Müllentsorgung immer mehr Arbeitsplätze wegfallen? Im Baugewerbe, im Straßenbau, im Transportwesen, wenn UpS und DHL Amazon und Co auf immer mehr Roboter setzen?

Herrn Gräffe wäre zu empfehlen aus seinem Trip ins Mittelalter zurück zu kommen und anstatt weiter dazu beizutragen Menschen zu stigmatisieren, seinen Beitrag zu leisten, die Probleme die auf unsere Gesellschaft zu kommen, auf eine menschliche Weise anzugehen und zu lösen.

 

Fotos:

Richard David Precht: Von Jens Komossa – Eigenes Werk (Goldmann Verlag), CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29017652

Christian Gräff: Von Martin Rulsch, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64599965

Titelbild: Jairo Gomez, privat