Was in Berlin am 13.10.2018 zu sehen war, lässt die Hoffnung aufkeimen, dass der „deutsche Michel“ endlich seine Schlafmütze abnimmt und auf die Straße geht um seine Forderungen zu stellen. Doch Vorsicht, die unzweifelhaft vielen Menschen in Berlins Straßen, dürfen lediglich als der Keim von etwas angesehen werden, was groß werden könnte.

Wer nämlich glaubt, dass es mit einer Großdemo getan sei, der täuscht sich gewaltig. Es müssen viel mehr und vor allem viel öfter Menschen auf die Straße. Ein schöner Samstag im Herbst wird nicht genügen um die immer krasser werdende soziale und politische Schieflage unseres Landes zu beseitigen.

Eine zweite 15M Bewegung?

Man denke nur an die Situation in Spanien, selbst eine so großen Bewegung, wie es die 15M 2011 eine war, reichte nicht aus um das Land von sozialen und politischen Daumenschrauben zu befreien. Erst in der Gegenwart macht sich mit der Partei podemos effektiv bemerkbar, was damals als winzige Saat ausgebracht wurde. Hohe Hürden wie Korruption in den oberen Kreisen der damaligen Regierungspartei PP (Partido Popular-Volkspartei) und massive Einschränkung von Bürgerrechten mussten  bis jetzt überwunden  werden, damit sich die Verhältnisse allmählich beginnen zu ändern.

Hier bei uns, wird es nicht viel anders laufen, wer etwas anderes glaubt, der gibt sich einer Illusion hin. Niemand, der im Laufe von Jahrzehnten Macht und Unmengen von Geld angesammelt hat, wird eine solch komfortable Position innerhalb einer Gesellschaft, freiwillig, wohl möglich aus altruistischen Gründen  aufgeben.

Es müssen nicht die Mistgabeln des Pöbels am Horizont zu sehen sein, doch die Leidtragenden einer Agenda 2010 müssen SICHTBAR für alle auf die Straße. Die Hartz IV Abhängigen, die Rentner, die Aufstocker, die Leiharbeiter, allein erziehende Mütter und Väter, kurz gesagt, all jene, die von dieser unmenschlichen Politik betroffen sind … und die Angst muss aus ihren Gesichtern verschwinden, und aus den Gesichtern von jenen, über denen dieses soziale Damokles Schwer schwebt. Das Schwert was ihre Angst vor einer gesellschaftlichen und finanziellen Ausgrenzung am Leben gehalten hat. Jenes Schwert, welches sie daran gehindert hat, sich mit denen zu solidarisieren, die darunter schon seit Jahren leiden.

Nein, es darf nicht bei dieser einen Demo bei schönem Wetter bleiben, und was besonders wichtig ist, es muss friedlich bleiben.

Jetzt sind die Bürger an der Reihe

Was nicht passieren darf ist, dass die Menschen, die auf der Straße Flagge zeigen, sich hinhalten lassen, keine Versprechungen für die Zeit nach der nächsten Wahl oder gar ein Vertrösten auf eine Agenda 2025 wie die, die Andrea Nahles verlautbaren lässt. Die Tafeln werden JETZT aufgesucht, die Rentner wühlen JETZT im Müll nach essbarem, die Aufstocker kommen JETZT mit ihrem Lohn nicht aus.

Als es hieß, die Banken müssten gerettet werden, fand man Mittel und Wege, es in kürzester Zeit zu tun. Nun sind jene an der Reihe, die es mit ihren Ersparnissen und ihrer Arbeit ermöglichten, die Bürger.

Die Mohn´s, die Springer´s, die Funke´s, die Qunadt´s müssen endlich begreifen, dass Schluss mit lustig ist. Die Entscheidungsträger in den großen Konzernen, in den Banken haben endlich zu akzeptieren, dass sie eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft haben und ganz einfach nicht das Recht dazu haben, die Geschicke der Mehrheit in unserem Land, nach ihrem Gutdünken und zu ihrem alleinigen Vorteil zu lenken. In der Politik, egal ob in einem Rathaus oder im Bundestag, muss  die Tatsache ins Bewusstsein jedes Einzelnen dringen, dass der Souverän draußen auf der Straße ist, in jeder Schule, in jedem Krankenhaus, in jeder Fabrikhalle, in jedem Büro, in jeder Bildungseinrichtung und in jeder Familie, nicht umgekehrt.

Die ewigen Unkenrufe

Widerstände, Diffamierungen und ähnliche Dinge werden uns den Weg in eine bessere Zukunft auch aus vermeintlich „unseren“ Reihen schwer machen. Es sind und werden sein, jene die wohl nicht akzeptieren können und wollen, das unsere Gesellschaft komplex ist, dass es unterschiedliche Denk und Sichtweisen gibt. Es gibt Menschen, die trotz ihrer konservativen Sichtweise, sehr wohl für soziale Gerechtigkeit sind, die sehr wohl für eine friedliche Welt ohne Krieg, Hunger und Elend sind, sehr wohl für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Mitwelt sind. Ja, und es gibt auch Menschen, die trotz ihrer an sich linken Einstellung, sehr wohl Ängste und Bedenken gegenüber fremdem haben, die sehr wohl Sorge haben, dass das Niveau in Schulen absinkt, weil der Anteil von Kindern, deren Muttersprache nicht die deutsche ist, die Mehrheit in nicht wenigen Klassengemeinschaften stellt.

An anderer Stellen habe ich es schon ein mal geäußert: Gefühle gehören zur Natur des Menschen. Liebe, Freude und Mitleid gehören dazu genau wie Zorn, Angst und Sorge. Wer das nicht akzeptiert, der verweigert den Menschen ein Teil ihres Seins. In Berlin haben Menschen zusammengestanden und demonstriert, die all die aufgezählten Gefühle teilten. Sofort wurden die Politkeulen hervorgeholt, von Querfront gefaselt und ganze Perücken in der Suppe gesichtet. Kipping habe dieses gesagt, Wagenknecht jenes gelassen und nicht gesagt und Maas habe dort gelobt Mag ja alles sein, aber wenn man einen Tunnelblick hat, dann hindert es oft ganz wesentliche Dinge zu sehen. Jede Gruppierung war mit einem unterschiedlichen Motto erschienen: aufstehen und #unteilbar, die Menschen hat aber eines vereint, der Wunsch nach einer besseren und friedlichen Zukunft für unser Land und unsere Welt. Anstatt sich über dieses friedliche Zusammenstehen zu freuen, mäkelte sich so mancher förmlich in Ekstase.

Sei es drum, es wird immer jemanden geben, der unkt oder unfähig ist seinen ideologischen Aluhut abzunehmen. Der 13.10.2018 hat gezeigt, dass es möglich ist aufzustehen und sich nicht teilen zu lassen. Eine großartige Chance! Machen wir was daraus!

 

 

Fotos:

Beitragsbild: De Fotograccion – http://fotograccion.org/, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15297527