Die Geschichte des Zauberlehrlings, der Magie einsetzte ohne sie wirklich beherrschen zu können. Nach dem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, von Walt Disney 1947 als Zeichentrickfilm nachempfunden.

Was hat diese Geschichte denn nun mit der Sammelbewegung aufstehen zu tun?
Nun, meines Erachtens hat man im Team um Sahra Wagenknechts und Oskar Lafontaines Idee einer Sammelbewegung, die Reaktion der Menschen darauf völlig unterschätzt. Zwar hat man erkannt, dass ein großer Teil der Menschen in unserem Land nicht mehr mit der Art und Weise wie Politik gemacht wird, einverstanden ist.
Wie groß aber der Wunsch nach einer Teilnahme an ihr durch den mündigen Bürger ist, das hat man vernachlässigt. Ein Umstand, der sich rächen könnte.
Fairerweise muss man sagen, dass das Team eine wahre Herkulesarbeit verrichten muss, dass sich dabei Fehler einschleichen, ist völlig normal. Vor allem dann, wenn es sich um etwas völlig neues in unseren Tagen handelt, zumindest hier in Deutschland. Aber so gravierende wie von „oben“ eingreifen zu wollen, wenn Menschen damit beginnen, die Probleme die sie betreffen, anzugehen?

Schaut man sich in den sozialen Netzwerken um, ist zu beobachten, dass gerade in Facebook, aufstehen Gruppen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Nun gibt es viele Kritiker, die monieren, dass Facebook nicht das ideale Medium dafür ist, um eine solche Bewegung an den Mann oder die Frau zu bringen. Man erreicht aber dort sehr viele Menschen und so ist es nur logisch dass man sich für dieses Medium entschieden hat.
In der Wahl von Facebook sehe ich allerdings nicht einen Fehler, sondern in der Art und Weise wie vorgegangen wird.

Es entstehen in Facebook Ortsgruppen, die dann mit dem zentralen Organisationsteam verknüpft werden. Sie werden somit „offiziell“, auch das ist zu begrüßen und unbedingt zu unterstützen, weil so eine gute Koordination bei Aktionen gewährleistet ist, denn für viele Menschen ist ein aktives politische Engagement noch neu. So weit, so gut.

Nun kommt allerdings der Punkt, an dem die „Zauberlehrlinge“ im Organisationsteam, die Magie einer Sammelbewegung wie es aufstehen ist, meines Erachtens unterschätzen und versuchen sie zu beherrschen, am vollkommen falschen Ende. Viele Menschen in unserem Land, die sich der Bewegung anschließen, scheinen nämlich schneller und weiter zu denken als man es im Organisationsteam tut. Sie bilden Themen bezogene Gruppen, in denen man über die Dinge diskutiert, die im argen liegen. Es werden Lösungen gesucht und Alternativen vorgeschlagen und gesammelt.

Ausgerechnet damit tut man sich im Organisationsteam schwer. Man scheint sich dort darauf geeinigt zu haben,vorläufig nur die Ortsgruppen zu verifizieren, also offiziell zu machen. Erst anschließend sollen wohl die Themengruppen in den Kreis der verifizierten Gruppen aufgenommen werden. Warum? Will man politisch emanzipierte Bürger, muss man sie selbst bestimmen lassen, wohin und vor allem in welchem Tempo die Reise geht.

Jede andere Vorgehensweise hat meiner Meinung nach die  Bremswirkung  einer Betonwand mitten auf der Autobahn. Sahra Wagenknecht selbst sagte es in einem Interview mit Jakob Augstein, die Begeisterung der Menschen, die sich bei der Sammelbewegung einschreiben ist groß. Es gehen viele Mails ein, in denen sich die Menschen anbieten zu helfen oder Vorschläge machen. Dann gibt es eben auch die Menschen, die Themen bezogene Gruppen gründen, weil sie sich direkt auf die Probleme konzentrieren wollen. Ausgerechnet diese Gruppen will man vorerst nicht zulassen oder tut sich damit sehr schwer ihnen den offiziellen Status zu verleihen, warum? Warum kann man nicht beides parallel laufen lassen?

Einerseits heißt es, man wolle eine Bewegung, in der es von unten nach oben geht, in der sich die Menschen mit ihrer Kreativität an der politischen Gestaltung unseres Landes beteiligen können, andererseits werden eben dieser Kreativität und dem Willen zu einer Mitgestaltung, mit einer Bürokratie, die nur allzu sehr an die hierarchischen Strukturen in Staat und den etablierten Parteien erinnert, Fesseln angelegt. Ist es da nicht verwunderlich, dass so manch einer, der bei dem Gründungsaufruf von Sahra Wagenknecht begeistert war und sich in der Bewegung registrieren ließ, nun das Handtuch genervt schmeißt, weil er sich nicht ernst genommen fühlt?

Bei all dem guten Willen dem ich dem Organisationsteam zweifellos unterstelle, sie begehen einen großen Fehler, sie laufen Gefahr, der Bewegung das wichtigste zu nehmen was sie hat. Die Seele.

Es ist nicht zu bestreiten, dass es ohne Sahra Wagenknechts Startschuss, es wahrscheinlich keine Chance auf eine Veränderung in unserem Land gäbe, die von denen die unserem Land erst das Leben einhauchen, herbeigeführt werden kann, den Menschen.

Ihnen hat sie das Gefühl vermittelt, dass es doch noch Politiker in unserem Land gibt, denen es um die Menschen geht. Wenn ich Sahra Wagenknecht nenne , dann ist es stellvertretend für all die anderen Initiatoren der Bewegung.  Sie haben aber eben „nur“ den Startschuss gegeben. Wenn jetzt die zweifellos fleißigen aber kaum bekannten Mitglieder des Organisationsteams, den Schwall an guten Ideen mit „bürokratischen Zaubersprüchen“ eindämmen wollen, ist es ein falsches Signal nach außen. Wer will dann noch glauben, dass da die Bewegungsrichtung von unten nach oben ist und nicht umgekehrt?

Die Menschen die sich einbringen wollen haben es satt, dass in irgendwelchen Hinterzimmern über ihre Belange entschieden wird, auch wenn es nicht die Intention des Organisationsteams ist, der Eindruck den man jedoch von außen bekommt ist, dass es im gleichen Muster weitergeht, wie es bisher in der Politik der Fall ist. Dabei können nicht nur wertvolle Ideen und Lösungsansätze für die vielen Probleme in unserem Land verloren gehen, sondern auch Vertrauen in ein Projekt, hinter dem ich trotz meiner Kritik, stehe.

Wer ernsthaft etwas in unserem Land ändern will, der muss dringendst damit beginnen, in neuen Bahnen zu denken und den Menschen den Spielraum geben, um sich in ihrer Kreativität frei zu entfalten. Wer nicht dazu bereit ist, weil er in altem hierarchischem Denken von Parteien kleben bleibt, der wirft der Sammelbewegung bei ihren ersten Schritten schon Knüppel zwischen die Beine.