Die Szene dürfte mittlerweile um die Welt gegangen sein. Bei der Pressekonferenz im Bundeskanzleramt von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Erdogan, wird der Journalist Adil Ygit aus dem Saal geführt. Der Grund: Er hatte ein T-Shirt übergestreift, auf dem auf Deutsch und Türkisch zu lesen war:“Freiheit für Journalisten.“ und „Pressefreiheit für Journalisten in der Türkei!“.
Als er hinaus geführt wird, hört man von ihm noch:“Ich habe nichts gemacht.“. Nein Adil Ygit hat auch nichts gemacht in dem Sinne. Er hat lediglich von seinem Recht Gebrauch gemacht, seine Meinung zu äußern, stumm aber deutlich.

Es wäre eine Chance gewesen, der Welt zu zeigen, wie man es mit der Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland handhabt. Stattdessen passte man sich ein wenig an jene an, die man bisher scheinheilig kritisiert hat. Die Art und Weise, wie man mit diesem Vorfall umgegangen ist, zeigt jedoch, dass da kein großer Unterschied zur beispielsweise Trump Administration besteht. Was nicht gefällt wird kurzerhand entfernt.

Für Erdogan Sympathisanten hier in Deutschland, wird das Wasser auf ihren Mühlen sein.
Der mit Nervositätsflecken geschlagene Polit-Streber Steffen Seibert beeilte sich mit einem Tweet klarzustellen, dass man es im Kanzleramt so handhabe wie im Parlament, keine politischen Proteste oder Kundgebungen. Natürlich, in dem ehrwürdigen Haus, darf die Ruhe und das Protokoll nicht gestört werden. Dabei wäre es eine hervorragende Möglichkeit gewesen, für einen Vertreter der Journalisten Zunft, dem türkischen Präsidenten, Auge in Auge, eine Forderung zu stellen. Ungestraft, ohne ins Gefängnis zu wandern.
Die Regeln des politischen Walhallas lassen es jedoch nicht zu. Man schwebt schon zu hoch über die normalen sterblichen. So hoch, dass man nicht mehr bemerkt, dass das, was man einst zu schützen gelobt hat, nämlich die freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit, in diesen „heiligen“ Hallen allmählich zu leeren Worthülsen verkommen.